Freitag, 14.10.2022
Das Thema Benzinknappheit/Streik in Frankreich beschäftigt uns nicht erst seit dem heutigen Frühstück. Alle uns zu Verfügung stehenden möglichen Optionen werden abgearbeitet. Wir halten fest, ohne zusätzliches Benzin in Kanistern würde die Durchfahrt von Frankreich möglicherweise mit einer längeren Zwangspause enden.
Die ursprüngliche Route durch Frankreich in Richtung Camino wären über tausend Kilometer gewesen. Diese Variante quitierte mein Bauchgefühl mit einem unwohlen "no". Um möglichst autark Frankreich zu durchfahren blieb eigentlich nur mehr die Route hinauf zum Bernardo Tunnel rüber nach Italien, dann bis Sanremo und entlang der französischen Küste nach Spanien. Das ist die kürzeste Strecke durch das Land der Streikweltmeister.
Karl entscheidet sich schließlich für die Fahrt in Richtung Livigno, unser Plan von der gemeinsamen Caminotour ist geplatzt.
Gegen Mittag fährt er los, es ist kalt und für nachmittag ist heftiger Regen angesagt.
Meine Motivation alleine aufzubrechen ist am Nullpunkt angelangt.
Es ist inzwischen 13:50 Uhr
Abschied von Brämerli, gutes Zureden. Ich schlucke meine Zweifel, dass ich gut durchkomme hinunter und fahre los.
16:50 Uhr - Nach einer gefühlt endlosen Bergfahrt habe ich endlich den Bernardo Tunnel durchquert und fahre durch eine Regennebelsuppe talwärts. Es sah so aus als würde es jeden Moment anfangen zu schneien.
Während der Fahrt nach Sanremo spekuliere ich mit der direkten Weiterfahrt nach Frankreich. Eigentlich hatte ich gedacht an der italienischen Küste zu nächtigen aber die Sache mit der Benzinversorgung lies mir keine Ruhe.
23:55 Uhr - Tunnenfahrt zur französische Grenze
Diese Nachtwanderung durch Frankreich zieht sich. Ich mache mehrmals Rast, verdrücke in dieser Nacht zwei Mozzarella-Tramezzini's, einen Megaburger, 4 Kaffee und eine Cola. Die Tankstellen an den Raststätten haben alle geöffnet. Shell, Agip, BP und auch Total Energies. Das auch immer und überall Benzin zur Verfügung wäre, erwies sich um halb sieben in der Früh bei genauerer Betrachtung als Trugschluss. Es gab gut 10 Tanksäulen, zur Auswahl stand am Display jedoch nur Diesel. Na super, hier wäre meine Reise wohl jetzt erst mal beendet gewesen.
Ich fahre auf den Parkplatz für Camper und fülle im Dunkeln undercover Benzin vom Kanister in den Tank. Beim Umfüllen von 20l Kanister, der leider keinen Auslaufstutzen hat, in den 10l verschenke ich einen guten Liter weil ich vom Trichter abrutsche.
Um 08:00 Uhr - Endlich kommt die Sonne
09:00 Uhr - Schlafpause am Parkplatz "Aire de Fitou Ouest"
Am Horizonz das Morgenrot, die bereits aufgegangene Sonne schickt uns ihre Strahlen durch die dunkle Wolkendecke. Ich bin so fasziniert von diesem Anblick und denke "bleib genau hier und schlaf mal".
Im Bett bemerke ich akutes Herzrasen, der Kaffee wirkt.

- 19 Stunden auf der Piste mit reichlich Pausen
Zwei Stunden später geht die Reise weiter, es ist jetzt nicht mehr weit bis Spanien.